Victoria AC8555 Delayed

Eigentlich müßten wir schon auf halben Weg nach Victoria auf Vancouver Island sein. Aber unser Flieger hatte erst 45 Minuten Verspätung und nun sind es schon 65 Minuten. D.h. wir sitzen noch am Gate.

Nachdem wir hier 8 Stunden gegenüber Deutschland zurück sind, war es gegen zwölf-halb eins, die perfekte Zeit mal in Deutschland anzurufen.

Meine Lösung hierfür sieht wie folgt aus: Seit Jahren läuft mein Festnetz Telefon Anschluß bereits übers Internet. Sprich Voice over IP, bzw. kurz VoIP. Hierfür braucht man auch einem Anbieter. In meinem Fall ist das sipgate.de.

Per VoIP lässt sich mit einem entsprechenden Telefon telefonieren, oder aber mit einer Software direkt über den PC, oder aber auch mit einer App fürs iPhone oder Android Telefon. Ich nutze die App Bria fürs iPhone. D.h. wenn immer ich hier irgendwo mit dem iPhone per WiFi mit dem Internet verbunden bin, kann ich über diese App über meinen VoIP Anbieter telefonieren.

Die Telefonnummer ist dabei die deutsche Nummer. Die Telefonkosten sind auch immer die von Deutschland aus. Nach Kanada wären es aber auch nur 1,5ct die Minute.

Jedenfalls klappt das sehr viel besser als erwartet. Die Sprachqualität ist außerordentlich gut und es gibt auch keinerlei Verzögerung, wie man das von früher her per Satellit kennt. Die Verbindung ist teils sogar besser als daheim am recht langsamen DSL Zugang.

Hier am Flughafen, gabs allerdings eine kleine Hürde zu nehmen. Per freiem WiFi bekam ich keine Verbindung zu meinem Anbieter. Wahrscheinlich sind die VoIP Ports hier gesperrt. Als Lösung hab ich mich per VPN in ein bekanntes Firmen Netz in Deutschland verbunden und dann darüber die VoIP Verbindung aufgebaut. Klingt kompliziert, war aber auch nur eine Aktion mehr und hat ebenfalls perfekt funktioniert.

So, sieht aus als wäre gleich Boarding.

Shopping Tour

Nach Frühstück im Hotel ging es zu Fuß wieder zur Bahnstation und von dort aus in die Innenstadt von Calgary. Wir schlugen dieses mal einen anderen Weg ein, als gestern Abend. Prompt kamen wir vom rechten Weg ab. Zufällig lag da aber ein großer Elektronik Laden auf dem Weg. Dort gabs neben der Info zum rechten Weg zur Bahnstation auch einen Karten Ausdruck, für den Camera Store in Calgary.

In der Stadt ging es dann erstmal nach China Town. Nicht ganz so groß wie wir uns das vorgestellt hatten. Von dort wieder in die Bahn zum Chinook Center, einem der größten Einkaufszentren hier.

Dort angekommen gabs erstmal was zu Mittag. Dann Bummel durch die Ladenzeilen. Wir bleiben in einem Küchenutensilien Laden hängen. Da alles ja irgendwie ins Gepäck muss, wird nichts gekauft. Weiter gehts in einen Apple Store. Ich frag wie hoch die “Tax” (Steuer) ist und was man bei Ausfuhr machen muss um diese zurück zu bekommen. Die Angestellte versteht mich nicht. Sie versteht wohl “Text”. Das “Taaax” sprech ich wohl eher wie “Täääx” aus, was dann hier wie “Text” verstanden wird. Erst als ich es buchstabiere, wird die Verwirrung aufgelöst.

Eine zweite Angestellte eilt zur Hilfe. Sie kann auch deutsch. Hier kommen 5% auf den ausgezeichneten Preis. Alles in allem käme das iPad Air 2 mit 64G und 3G gerade mal 45€ günstiger als in Deutschland. Rentiert sich nicht so wirklich, zumal ich nicht weiss was mit Garantie ist. Und wenn das in Deutschland wieder versteuert werde muss, ist mir das zuviel Akt. Dann gibts das eben erst in Deutschland.

Wir machen noch halt in einem CD Laden. Finden aber auch nichts. Ein Levis Store lockt uns noch. Die klassische 501 im Super Sonderangebot gibts in allen Größen, nur nicht in meiner. Ich probier eine andere Hose an. Das was oben fehlt um zu zu gehen ist sie unten zu lang. Gut, dann lassen wir das.

In einem Outdoor Laden frag ich nach GoPro Halterungen. Nix, aber der Verkäufer schickt mich zu Sport Check. Dort find ich aber auch nicht das, was ich suche.

Wir nehmen noch einen Capuccino und machen uns auf den Rückweg. Es wartet ja noch “The Camera Store” auf uns (auf mich). Auf einem kleinen Fußweg dorthin, noch ein Outdoor Laden. GoPro ja, Drittanbieter Zubehör nein.

Um die Ecke ist der Kamera Laden. Dort gibt es ziemlich viel, aber meine Spezialsachen natürlich nicht. Ich finde was zum Objektiv reinigen und gönne mir das, da am letzten Wasserfall mein Weitwinkel einiges ab bekommen hat.

Es geht weiter über die Einkaufsstrasse Stephens Walk. Wir halten nach T-Shirts ausschau, finden aber nicht wirklich was. Ein weiterer Sport Check Laden erweckt meine Aufmerksamkeit. Rein und wieder nach GoPro Spezial Zubehör gefragt. Nichts zu machen. Ich entdecke aber, das eines der GoPro Akku Back Packs in der Vitrine mit nur 39 Dollar, statt 64,50 ausgezeichnet ist. Ein Schnapp. Für das Geld schlag ich zu und geb die Suche nach dem Akku Pack von Smatree auf. Die Kasse sagt dann noch es sei eigentlich ein LCD Touch Back Pack, womit der Store Manager noch kontaktiert wird. Mir ist es Egal, was die Kasse sagt. Hauptsache es ist der Akku Pack und der Preis stimmt. Die Angestellten haben ein einsehen.

Calgary
Stephens Walk

Am Calgary Tower gehen wir noch in den Gift Shop. Und nebenan ebenfalls in den Andenken Laden. Hier gibts dann endlich auch noch das ein oder andere T-Shirt.

Es fängt an zu regnen und wir fahren mit der Bahn zurück ans Hotel. Von der Bahn Station nehmen wir für 7 Dollar ein Taxi, da wir bei dem Regen nicht laufen wollen.

Nach einem Nap gehts in Hotelnähe zum Chillis Texas Grill. Auch eine der vielen Ketten hier. Die Margaritha kommt im Shaker zum selbst nachfüllen. Die Steaks eher Well Done, als das das bestellte Medium. Scheint aber hier so üblich zu sein, das es eher mehr gebraten wird, als wir das kennen. Alles in allem war es ja auch ganz lecker.

Zurück im Hotel werden noch etwas die Koffer gepackt. Morgens geht es dann per Flieger nach Vancouver Island.

Calgary

Wir haben nur eine minimale Karte von Calgary und so suchen wir unser Hotel in der Nähe des Flughafens. In einem Coffee Shop fragen wir nach dem Weg und bekommen nach ein paar Google Abfragen auch die richtige Wegbeschreibung.

Im Lakeview Signature Inn haben wir eine Suite. D.h. das Zimmer hat auch eine Küche. Sehr komfortabel. Nach dem Checkin und dem Gepäck aufs Zimmer bringen, starten wir gleich wieder, um unseren VW Jetta an der Flughafen Station abzugeben.

Wieder eine kleinere Sucherei, da einige Baustellen hier am Flughafen sind. Bei Alamo ist natürlich nicht angekommen, das wir nur einen halb vollen Tank in Vancouver entgegen genommen haben und der Stationsleiter uns dort zugesichert hat, das wir einen leeren Tank zurück bringen können. Ein bisschen hin und her verhandeln und so sollen wir nun nichts für Sprit bezahlen müssen. Warten wir mal auf die Kreditkartenabrechnung.

Am Flughafen buchen wir uns für $15 pro Person bei einem Shuttle Service in die Stadt ein. Als wir weiter fragen wie wir denn zurück zum Hotel kommen könnten, kam raus, das die Tageskarte für die Bahn hier nur $10 kostet. Zu spät. Außerdem ist die Haltestelle vom Hotel wohl auch ein paar Minuten weit weg.

Wir machen uns gleich auf zum Calgary Tower. Imposanter Ausblick. Erhöhten Puls verschafft hier ein ca. 1,5m breiter Vorbau mit einem Glasboden. 191m unter einem sind dann die Strassen von Calgary. Es kostet einiges an Überwindung sich hier dem Glasboden anzuvertrauen.

Calgary Tower
Calgary Tower
Calgary Tower

Ein Stadtbummel steht an. Bei den ersten Fotos von einer Strassenflucht, werde ich gleich von der anderen Seite der Kreuzung von einem Obdachlosen angerufen, der meinte ich hätte ihn fotografiert. Er kommt auch sofort angerannt. Ich zeig im das Bild, auf dem er nicht zu finden ist. Wortlos macht er sich wieder davon. Keine Ahnung ob er vielleicht drauf hoffte, dass ich ihm ein paar Dollar gebe, wenn er auf dem Bild ist.

Calgary

“The Taste of Calgary” fängt heute am Freitag an. Viele kleine Ständchen bieten Ihre Köstlichkeit zum Essen an. Dazu muss man sich vorher Essensbons zu je einem Dollar kaufen. An den Ständen kosten die Portionen dann zwischen zwei und fünf Dollar/Bons. Wir haben beide je 15 Dollar investiert. Auf einer Bühne spielt eine Band. Dort gibt es auch einen abgesperrten Bereich, in dem es alkoholische Getränke gibt. Alkohol außerhalb dieses Bereiches ist strengstens verboten.

Wir haben gerade noch Glück, dass wir 3 Minuten vor 21 Uhr in den Alkohol Bereich kommen. Um 21 Uhr ist nämlich Schluß. Also gibts noch zwei kleine Bier (wahrscheinlich weniger als 100ml) zu je zwei Dollar und eine Margaritha zu drei Dollar. Ebenfalls nur etwas größer als ein Schnapsglas.

The Taste of Calgary

Danach machen wir uns auf zur Bahn. Einzelfahrt kostet drei Dollar. An der Hotel nächsten Station steigen wir aus und machen uns zu Fuß auf durch die Nacht. Glücklicherweise finden wir unser Hotel auf Anhieb.

Drumheller - Hoodoos

Um kurz vor 09:00 Uhr waren wir wieder an der Talstation der Lake Louise Gondel. Dieses mal nur, um das Frühstücksbufett zu nutzen. Leider waren uns bereits 3-4 Reisebusse zuvor gekommen, und am Bufett war eine Riesen Warteschlange. Das wollten wir uns nicht antun, und so machten wir uns ohne Frühstück auf den Weg nach Calgary.

In Banf haben wir dann ein kleines Cafe zum Frühstücken gefunden.

Da wir gut in der Zeit lagen, entschlossen wir uns noch einen Abstecher nach Drumheller zu den Hoodoos zu machen. Die Strecke betrug einfach knapp 100km. 75km davon gehen Kerzengerade aus. Mit Tempomat auf 110km/h gibts da als Fahrer nicht wirklich viel zu tun. Nach 50km kommt eine Kreuzung, die etwas Abwechslung verschafft. Und nach den restlichen 25km kommen dann ein paar leichte Kurven, um ein paar Hügel zu umfahren.

In Drumheller gehen wir nochmals tanken und nehmen bei McDonalds ein kleines Mittagessen ein. Dann gehts weiter zu den Hoodoos. Das sind Sandsteinsäulen, die 5-7m hoch sind und auf denen oben ein Stein liegt und was von der Natur so in millionen von Jahren geformt wurde. Wir fahren noch ein wenig die Strasse weiter und drehen dann an einer alten Kohlenmine um endgültig nach Calgary in unser Hotel zu fahren.

Drumheller Hoodoos

Wir wählen eine etwas andere Strecke. Die Landschaft hier ist flach. Nahezu alles sind Felder für Weizen. Nur vereinzelt stehen hier die zugehörigen Farmen.

Grizzly Lift und Wasserfaelle

Heute ging es gegen 08:30 Uhr direkt ohne Frühstück an den berühmten Sightseeing Lift der Lake Louise Gondel, von dem aus man evtl. wenn man Glück hat, einen Grizzly Bären sehen kann.

Der Lift geht quasi nur bis zur Mittelstation und kostet $31,95. Es gibt aber auch eine Kombination zusammen mit einem Frühstücksbufett, für $34,95. Passt ja perfekt. Drei Dollar für ein Frühstücksbufett (kostet alleine sonst $13,95). Also gibts Rührei mit Speck und Würstchen.

Frisch gestärkt wir alles an Equipment startklar gemacht was geht. Großes Tele auf die Spiegelreflex und Gorillapod Stativ an der GoPro, um die am Lift zu befestigen und die Fahrt zu filmen. Wenn er denn kommt will man ihn ja nicht verpassen.

Ein ähnlich ausgerüsteter Besucher, gibt auf englisch zu verstehen, das ich ja auch gut vorbereitet sei. Auf dem Weg zum Lift wollen noch ein paar den Rasen mähende Murmeltiere fotografiert werden. Dann gibts noch eine kleine Filmvorführung, was zu tun und zu lassen ist, wenn er denn nun kommt, der Bär.

Es geht los. Sessellift oder geschlossene Gondel. Wir wählen natürlich den Sesselift. Das Wetter ist gut und die Fahrt angenehm. Entgegenkommende frag ich, ob sie ihn gesehen hätten. Leider nicht. Oben, also in der Berghälfte, gibts eine kleine Aussichtsplattform, wo man noch etwas ins Tal schauen kann. Ich treff den Fotografen Kollegen von vorhin und sag ihm, das wir ihn gesehen hätten: “Really!!!”, “Ja” sag ich, und das er zwei Baby Bären hätte. Seine Begleiterin ist hin und weg. Er durchschaut mich und wir wünschen uns noch einen schönen Tag.

Zu Tal dann das gleiche Spiel wie zuvor den Berg hoch. Diesmal fragt uns ein zu Berg Fahrender, ob wir ihn gesehen hätten. Ja klar, und er hat zwei kleine dabei. Wir nehmens mit Humor, da wir nicht wirklich davon augegangen sind, einen Grizzly zu sehen.

Lake Louise Gondel

Weiter geht es dann zu den Takakkaw Falls. Den mit 381,1m hohen zweithöchsten Wasserfällen Kanadas. Beeindruckend. Bis dahin wo man offiziell hin darf, ist es schon ziemlich feucht. Der Selfie Versuch mit der DSLR wird abgebrochen. Aber eine nette Besucherin nimmt sich uns an und fotografiert uns damit. Allerdings anfangs etwas verwirrt, weil kein Sucher Bild hinten auf der Kamera erschien.

Takakkaw Falls

Damit war unser geplantes Tagesprogramm schon recht früh mehr oder weniger durch. Zurück in unserer Lodge, fragen wir ob es irgendwo einen See zum relaxen gäbe. Wir ziehen uns um und machen uns zum Emerald Lake auf.

Emerald Lake

Schöner See, aber irgendwo ein Ufer wo man sich mal ablegen könnte gibts nicht. Also sitzen wir da wo alle sitzen. Nach einem kurzen Spaziergang geht es dann wieder davon. Auf dem Rückweg stoppen wir noch an der “Natural Bridge”. hier hat sich der Kicking Horse River durch einen Fels gefressen und so ist eine natürliche Brücke enstanden.

Ein Deutscher, der vor der Absperrung auf den Felsen rum turnt, erkennt mein St. Pauli Shirt und spricht mich kurz an. Lieber wär mir gewesen, er wär aus dem Bild gegangen, und hätt sich wie alle anderen auch an die Absperrung gehalten.

Natural Bridge

Auf dem Parplatz, direkt neben unserem Auto, treffen wir unsere Tschechen aus Valemount wieder. Welch Zufall. Tags zuvor hatten sie wohl auch schon das Pärchen aus Seattle getroffen. Die beiden wollen heute noch nach Calgary um von dort aus nach Hallifax zu fliegen. Ich geb ihnen meine eMail Adresse und die URL zum diesem Blog hier. Bin mal gespannt ob sie sich melden.

In Field machen wir Rast im “Truffle Pigs” und gönnen uns ein Eis. Unter anderem salziges Karamel Eis. Sehr lecker. Für Abends wollen wir einen Tisch reservieren, aber Reservierungen gibt es hier nicht. Rechtzeitig kommen, am besten vor 19 Uhr, bekommen wir als Tipp.

Wir genehmigen uns auf unserem Zimmer einen Spät Nachmittagsschlaf, machen uns dann zurecht und stehen um 18:30 Uhr wieder im Truffle Pigs. Wir bekommen sofort einen Tisch auf der Terasse.

Nach einer Vorspeisenplatte bestellen wir Schwein und Enten Confit. Das beste Essen des bisherigen Urlaubs. Sehr zu empfehlen! Nach einem Nachtisch gehts dann zurück in die Lodge.

Truffle Pigs Summer Charcuterie Platter

A healthy portion of our house made wild boar terrine, smoked buffalo bündnerfleisch and Westphalian ham, served with French cornichon, green mustard, fresh baguette and apple rosemary cracker. Perfect for two, or one hungry hiker.

Dawdling Duck confit

Our green salt herbed duck confit, slow cooked for 12 hours and served with Truffle Pigs Ivy sauce, poached broccolini and sumac salted kennebec frites.

Farm-to-table Swine

A 10 oz brined, herb panko-crusted Sunterra Farm pork loin, served with gratin potato, apple rosemary reduction and farm fresh seasonal vegetable.

Icefield Parkway

Heute ging es den Icefield Parkway entlang. Wie gestern erstmal zu Tim Hortens zum Frühstück. Ich parke hinter einen SUV, der grad anstalten macht weg zu fahren. Macht er aber nicht und öffnet statt dessen die Fahrertür. Schau an, der Kanadier von gestern aus der Gondel. Wie den meine Filme geworden seien, fragt er. Na bestens antworte ich und sag ihm, dass ich den niederländischen Camper auch gesehen hätte. Er wünscht uns noch alles Gute und einen schönen Urlaub. Irgendwie finde ich, das hier alle etwas lockerer drauf sind als bei uns.

Los geht es zu etwas über 200 km der schönsten Strecke überhaupt. Kaum aus Jasper raus, stehen zwei drei Autos am Strassenrand. Wir sehen auch den Grund: Ein riesiger Wapiti Hirsch mit stattlichem Geweih grasst hier gerade. Ich fahr erst vorbei und dreh aber dann um am Ort des Geschehens anzuhalten. Der Hirsch überquert die Strasse und ich muss erstmal den Foto auspacken. Falsches Objektiv, egal.

Immer mehr Autos halten. Das es hier keine Massenkarambolage gibt, ist grad alles. Er steht nun auf der anderen Seite der Strasse. Ich hab Zeit das Tele auf den Foto zu schrauben. Und ich bekomm von Anja grünes Licht, das ich mich dem Hirsch zu Fuß nähern darf. Ich sollte halt nicht versuchen ihn zu streicheln. Damit kann ich leben und auch mit sehr gebührendem Abstand gelingen formatfüllende Aufnahmen. Es ist wahrhaftig ein riesiges Tier. Ich hätte mir das nie im Leben so groß vorgestellt. Neben dem männlichen Tier war auch noch ein zweites Wapiti ohne Geweih mit dabei.

Wapiti Hirsch

Weiter gehts. Ein Schild sagt: Nächste Tankstelle in 150km. Unser Bordcomputer sagt: Reichweite 100 Miles. Könnte knapp werden. Also nochmals gewendet und in Jasper getankt. Und dann Endlich on the road.

Der Icefield Parkway bietet quasi alles was es an Landschaft so gibt. Wir machen zahlreiche Stopps. Z.B. an den Athabasca Falls, den Sunwapta Falls, dem Peyto Lake und an zahlreichen Aussichtspunkten. Die GoPro wird auch für den schönsten Teil der Strecke wieder auf der Motorhaube befestigt. Berge mit Schnee, blaue Seen, Gletscher und sensationelle Landschaft.

Peyto Lake

Seit letztem Jahr gibt es hier auch einen “Skywalk”. Eine über eine Schlucht, bzw. an einen Berg gebaute Aussichtsplattform aus Glas. Nichts für schwache Nerven. Ich seh sie von weitem, aber irgendwie verpassen wir die Abfahrt. Hätte ich mir schon mal näher angeschaut.

Auf den Athabasca Gletscher kann man sich per Bus bringen lassen. Aussteigen, nach 15 Minuten wieder einsteigen, das wars dann für viel Geld. Hauptsache einmal auf einem Gletscher gestanden. Das Programm geben wir uns nicht. Man kann vom Parkplatz auch die 1000m zum Gletscher laufen. Wir haben aber noch einiges vor uns, also lassen wir das. Erschreckend ist ein Schild, wo der Gletscher 1946 noch endete. Da wäre der Parkplatz und die Zufahrtstrasse noch unter dem Eis gewesen.

Athabasca Gletscher

Kurz vor 16 Uhr erreichen wir unsere Unterkunft. Die Great Divide Lodge, liegt in etwa genau zwischen Field und Lake Louise. Das Zimmer ist recht einfach. Frühstück gibts nur am Wochenende. Laut Beschreibung kommt der Strom hier komplett von einem Generator. Handy Empfang gleich Null. Internet nur ganz kurz kostenlos und danach gegen Bezahlung.

Jedenfalls gibt es etliche Murmeltiere auf der Wiese vor der Lodge. Somit können wir diese Tiere auch abhaken.

Murmeltier

Wir fahren noch nach Field, um zu sehen wo man Frühstücken könnte. Dort gibt es mehr oder weniger nur ein Restaurant. Und noch auf die andere Seite zum Lake Louis. Am See ist die Hölle los. Die Hotels rings rum sehen auch eher besser aus. Wir suchen die Stadt, finden sie aber nicht. Anscheinend sind das hier alles nur Ferienunterkünfte.

Lake Louis

Wir fahren noch an die Talstation, wo der Sightseeing Sessellift hoch geht, bei dem die Chance besteht einen Grizzly zu sehen.

Zurück in unsere Unterkunft Essen wir Spare Ribs auf der Terrasse. Nebenbei hab ich den Foto für eine Timelapse Aufnahme postiert, die den Berg vor der Haustür im Licht der untergehenden Sonne zeigen soll.

Maligne Lake und Whistler

Heute früh ging es erstmal nach Jasper zu Tim Horten zum Frühstück, da unsere Unterkunft bei den Wilgosh, kein Frühstück bietet. Danach direkt an den 45km entfernt gelegenen Malinge Lake. Dort gibts die Möglichkeit eine eineinhalb Stündige Bootsrundfahrt für nicht ganz 60.-€ zu machen. Oder die “Through the Lens” Bootstour von zweieinhalb Stunden unter Anleitung eines Fotografen für 150.- € zu machen. Highlight bei beiden Touren das “Magic Island”, eine kleine Insel auf der eine Handvoll Bäume stehen.

Wir machen erstmal den kürzesten Trail an zwei kleine Seen. Zum Glück geht es hier zuerst leicht Berg an, was den Gedanken an den Rückweg etwas rosiger macht. An dem einen See sehen wir eine tauchende Ente, die durch das klare Wasser sehr gut zu erkennen ist.

Von der Wanderung wieder zurüch am See gibts erstmal was zu trinken und ein Sandwich. Die Idee, doch noch eine Bootstour zu machen, lassen wir dann doch sein. Zum einen wollen wir noch auf den Berg und zum anderen sind die Boote alle geschlossen mit rund herum großen Fenstern. Zum fotografieren eh nicht schön.

Maligne Lake
Tauchende Ente

Zurück ging es mit einem kleinen Stopp am Annette Lake

Annette Lake

Wieder an der Gondel zum Mount Whistler. Wartezeit knapp 40 Minuten. Reicht für ein Erfrischungsgetränk und einen Muffin und um die GoPro mit Saugknapf startklar zu machen.

Perfektes Timing läßt mich als erster die 26 Personen fassende Gondel betreten. Perfekt um gleich die GoPro ans offene Fenster zu kleben um das ganze zu Filmen.

GoPro in der Gondel

Oben ist es kalt und leider auch ziemlich diesig. Den langen Fußweg auf den Gipfel schenken wir uns. Statt dessen gibts kleine Pfeifhasen zu sehen, die dem Berg auch den Namen gegeben habe. Weiterhin etliche Streifenhörnchen, die bis an die Hand kommen, um was zu fressen zu ergattern. Aber, das füttern von Wildtieren ist hier verboten.

Streifenhörnchen

Wir stellen uns wieder zur Talfahrt an und unterhalten uns mit einem Kanadier, der als kleiner Junge aus den Niederlanden hierher kam. Er erzählt das er einen Niederländer hier getroffen hat, der mit seinem Mercedes Wohnmobil aus den Niederlanden hier ist und jetzt wohl ein Jahr lang unterwegs sein wird.

Ich kleb die GoPro wieder ans offene Fenster. Die Kanadier finden das eine coole Idee den Film dann “Fast forward” abzuspielen. Auf dem Rückweg setz ich Anja in Jasper ab, sie will T-Shirts kaufen und ich will meine Bilder mal alle sichern. Und an einer Ampel seh ich ihn dann auch. Mercedes Bus, als Wohnmobil umgebaut mit Niederländischer Nummer. So klein ist die Welt.

Gondel zum Mount Whistler

Abends gehts nochmals in die örtliche Brauerei zum Abendessen.

Jasper

In unserer “Bed and Breakfast” Unterkunft “Rose Cottage” gab es heute morgen Eier mit Speck und Würstchen. Frühstück war quasi im Esszimmer der Vermieter und fand gemeinsam mit den anderen vier Gästen statt, die in etwa alle in unserem alter waren. Ein Paar war aus Seattle und das andere aus Tschechien, in der Nähe von Prag.

Das tschechische Paar ist rund 4 Wochen unterwegs und macht quasi alle Hotspots in Kanada per Bus, Flugzeug und Mietwagen. Von Vancouver Island angefangen, gings per Bus und Fähre nach Vancouver, dann wohl per Flieger nach Calgary, dort dann per Mietwagen in etwa die Tour, die wir machen, dann von Calgary nach Halifax…. Und einiges mehr. Vielleicht lesen die beiden das ja hier, dann können Sie mir ja die Route zum update schicken. Die Reise ist ein Geschenk zum runden Geburtstag der Frau.

Alles in allem eine sehr witzige Frühstücksrunde. Danach konnte sich noch jeder auf einer Weltkarte mir einer Stecknadel in seinem Herkunftsort verewigen. Die Vermieter selbst stammten aus England.

Für uns hies es aufbrechen nach Jasper. Es geht durch einen Nationalpark, was bedeutet, das ein entsprechendes Ticket für das Auto zu lösen ist. Dort kamen wir früh an und zu unserem Glück war die Vermieterin zu Hause und unser Zimmer bereits fertig. So luden wir schnell unser Gepäck aus und machten uns auf in die Stadt.

Dort ging es nach einem Stadtbummel in die örtliche Brauerei. Draussen sitzend bestellt wir uns jeder einen Hamburger und eines der selbsgebrauten Biere. Nach einer halben Stunde Wartezeit, kam mit unserem Essen auch ein Gewitter. Also ging es ins innere. Der Burger war gut und so konnten wir die längere Wartezeit verschmerzen.

Danach stellte sich die Frage: Was tun? Zum Glück lies das Gewitter so schnell nach, wie es begonnen hatte. Also machten wir uns auf zur Gondel, um auf den Berg Whistler zu fahren. Obwohl schon später Nachmittag und teils bedeckt, betrug die Wartezeit noch gut eine Stunde. Also Gondel verschoben und zum Maligne Canyon gefahren, nur um mal zu schauen. Unterwegs noch einen kurzen Timelapse vom nächsten kurzen Regenschauer gemacht.

Beim schauen blieb es nicht. Das Wetter war wieder perfekt, und so ging es mit vollem Gepäck den Canyon hinunter und entlang. Der Fluss ist zwar nur wenige Meter breit, hat sich aber etliche Meter in den Fels gefressen. Wir gehen nicht ganz bis zum Schluss. Die restlichen 10 Minuten Fußweg schenken wir uns und machen uns den gleichen weg wieder den Fluß hinauf. Uff! Die etwas mehr als eine Stunde Bergauf ziehen sich doch.

Unterwegs erzählt mir noch die Mutter einer Familie, das sie hier mal im Winter waren. Dann ist alles gefroren und man kann auf dem Eis ganz unten in die Schlucht rein. An ein paar Wänden wird dann wohl auch eis geklettert.

Maligne Canyon
Maligne Canyon

Abends ging es dann zu Fuß nach Jasper ins Earls zum Abendessen. und natürlich zu Fuß wieder zurück. Obwohl nur 10-15 Minuten, hätte ivh das nach dem Canyon nicht wirklich gebraucht.

Stop - Der Lachs ist da

Stop - Der Lachs ist da

Der Lachs ist da. Ein Schild weisst darauf hin, das die ersten Lachse zum laichen angekommen sind. Auf einer kleinen Aussichtsplattform am Fluss kann man tatsächlich ein paar der rötlichen Chinook Lachse sehen.

Gegen 19 Uhr erklärt eine Frau der örtlichen Touristen Zentrale näheres zu den Lachsen. Bis hier nach Valemount sind sie rund 90 Tage unterwegs. Die Strecke ist rund 1500 km lang. Wenn die Lachse in Vancouver wieder in die Flüsse kommen, hören sie mit der Nahrungsaufnahme auf. Bis hier nach Valemount haben sie dan auch rund ein drittel ihres Körpergewichtes verloren. Die rote Farbe der Lachse ist in etwa vergleichbar mit den grauen Haaren bei uns.

Während die weiblichen Lachse im Flusbett ein Nest für die Eiablage suchen, bzw. mit der Schwanzflosse entsprechend zurecht wirbeln, warten die männlichen Lachse ein Stück weit den Fluss abwärts. Jedes weibchen verteidigt Ihr Nest, bzw. den Platz, den sie sich raus gesucht hat. Es werden vier mal pro Weibchen Eier abgelegt.

Durch die ablage der ersten Eier, erhalten die männlichen Lachse den Startschuss, um weiter den Fluss hoch zu schwimmen und dort die Eier zu befruchten. Die Spermien haften tatsächlich nur an den Eiern, womit über 95% befruchtet werden.

Der junge Lachs durchlebt dann 4 Stadien, bevor er sich aufmacht, den Fluß abwärts zurück ins Meer zu schwimmen um dann nach 3-6 Jahren zurück in den Fluß seiner Geburt zu kommen. Er erkennt den Fluss quasi am Geschmack/Geruch und kann hier mehrere tausend Flüße unterscheiden.

Tja, nach der Eiablage verteidigt das Weibchen noch einige Tage ihr Nest und stirbt dann maximal 10 Tage später. Auch das Männchen stirbt kurze Zeit nach der Befruchtung.

Von den rund 2000 Lachsen schaffen es schlußendlich gerade noch 250 Stück wieder zurück hierher an ihren Geburtsort.

Nach der Lachsinfo ging es in den Caribou Grill zum Essen. Rund eine Stunde Wartezeit mussten wir in Kauf nehmen, die aber dank einer 10 Köpfigen Harley-Owner-Group sehr witzig verlief. Das Essen war sehr gut. Unsere Bedienung kam aus Deutschland und ist hier nach Ihrer Master Arbeit hängen geblieben.

Stop - Der Lachs ist da
Stop - Der Lachs ist da

Valemount

Heute war die längste Etappe unserer Reise. Um 07:30 Uhr waren wir in dem Diner, in dem wir gestern Abend schon waren zum Frühstück. Endlich mal was herzhaftes: Spiegeleier mit Speck und einer art Rösti.

Dann haben wir noch geschaut, ob wir den “Balancing Stone” von weitem sehen, aber ohne Erfolg. Gegen 12 Uhr kurze Rast an einer Tankstelle. 13 Uhr dann Ankunft in Valemount. Unser B&B macht erst gegen 16 Uhr auf. Also hier in den Ort, wo es vor einem Supermarkt von einer örtlichen Hilfsorganisation gegrillte Burger für 5$ incl. Chips und Getränk gab.

Im Anschluss daran noch in die Swiss Bakery auf einen Kaffee. Danach sind wir schonmal zum Viewpoint des Mount Robson gefahren. Höchster kanadischer Berg der Rocky Mountains.

Mount Robson

Auf dem Rückweg haben wir an den Rearguard Falls stopp gemacht, wo ich zu meiner Langzeitaufnahme des Flusses gekommen bin.

Rearguard Falls
Rearguard Falls

Jetzt gehts nochmals ins Ort an den Fluss. Hier sollen gestern 7 Chinook Lachse zum Laichen angekommen sein. Vom Visitor Centre aus gibt es dazu heute Abend um 19 Uhr auch einen Vortrag über das Leben der Lachse.